Und es begab sich zu einer Zeit….

 

Schon kurz nach der Gründung der KG Verberg im Jahre 1956 wollten die Gründungsväter ein weiteres Märchen wahrmachen und eine Tanzgarde gründen. Diese Tanzgarde hatte die Aufgabe, die Sitzungen der KG Verberg märchenhaft zu unterstützen und die Gäste zu begeistern. Wie alles begann haben wir in einem Interview mit dem damaligen Tanzmajor und späteren Kommandeur Willi Hermanns versucht herauszufinden. War alles wirklich so märchenhaft? Aber lesen Sie selber nach!

 

KG Verberg: Lieber Willi Hermanns, wie war das damals als es darum ging, die KG Verberg weiter mit Leben zu erfüllen und wie kam die Idee, eine Tanzgarde zu gründen?

 

kgv_garde_alt_01Willi Hermanns: Nach der Session 1956/1957 (die Erste der KG Verberg) hatte der damalige Präsident der KG Verberg, Wolfgang Bern, die Idee, eine Tanzgarde ins Leben zu rufen. Da Wolfgang und ich Arbeitskollegen und wir beide jeck genug waren, hatte er mich schnell mit diesem Gedanken infiziert und wir gingen an die Planung. Da der Karneval noch weitestgehend in den Kinderschuhen steckte, mussten wir erst einmal Pionierarbeit leisten. Der guten Stimmung tat das aber keinen Abbruch, ganz im Gegenteil, wir konnten uns gedanklich noch richtig ausleben. Ziel war es, in der Session 1957/1958 eine Tanzgarde auf der Bühne zu haben, die tänzerisch und optisch etwas darstellte.

KG Verberg: Zunächst mal zum optischen, Kostüme als Tanzgarde waren ja bestimmt nicht vorhanden und sicher auch sehr teuer. Wie habt ihr dieses Problem gelöst?

 

 

Willi Hermanns: Tatsächlich mussten die Kostüme alle einzeln angefertigt werden und waren damit für eine Tanzgarde mit 8 Mitgliedern schon ein großer Kostenfaktor. Und Geld gab es ja auch nicht im Überfluss. Also war Sparen angesagt. Auf der Arbeit (Wache Bayer-Werke) hatten Wolfgang und ich eigene Spinde, in die wir je ein Sparschwein stellten und wöchentlich 5,00 DM steckten. So sparten wir im Laufe der Zeit ein Startkapital zum Kauf von Kostümen an. Letztlich musste dann jede Tänzerin und jeder Tänzer einen Obolus zum eigenen Kostüm beisteuern. Die blauen Stiefel für unsere Gardistinnen wurden von Ludwig Ammerahl in Handarbeit gefertigt und individuell angepasst. Jedes Gardemädel musste unseren Ludwig zu Hause aufsuchen und dann wurde Maß genommen, um die perfekte Passform hinzubekommen. Zum Start der Session 1957/1958 waren wir dann alle perfekt ausgestattet und konnten zumindest optisch schon einmal brillant auftreten. Sofie Schmitz, die Mutter von Käthe Bern (Ehefrau von Wolfgang Bern), hatte die Aufgabe übernommen, die Kostüme in Schuss zu halten. Das hat die ganzen Jahre hervorragend geklappt und wir waren immer bestens ausgestattet.

KG Verberg: Nun zum tänzerischen, Tanzschritte und eine Choreographie machen sich ja nicht von selber. Hattet Ihr professionelle Unterstützung oder war Eigenarbeit angesagt?

Willi Hermanns: Professionelle, also gekaufte, Unterstützung wäre gar nicht finanzierbar gewesen. Aber wir hatten Glück, unsere erste Kommandeuse, Martha Husmanns, war perfekt im Tanzen und konnte uns Tanzschritte und Hebefiguren beibringen und zusammen suchten wir dann auch eine Musik aus und passten die Tanzschritte dazu an. Das Training begann immer im August/September vor einer neuen Session. 1. Kommandeur war übrigens Willi Ditzun. Ab 1960 war Liesel Glasmacher dann Kommandeuse und ich wurde zum Kommandeur. Martha Husmanns war dann weiterhin als Trainerin tätig und brachte uns zu jeder Session Tänze bei, die beim Publikum gut ankamen. Aufgabe und Privileg des Kommandeurs war es übrigens, mit den Gardistinnen Hebeübungen zu machen. So konnte ich dann im Laufe der Jahre zunächst Liesel Glasmacher und danach Monika Risch auf Händen tragen. Ganz nebenbei, die Musik kam nicht vom Band, sondern wurde von der Saalkapelle live gespielt. Bei auswärtigen Auftritten hatten wir dann immer einen Satz Noten bei, die die Kapelle dann spielen musste. Das hat aber immer gut geklappt.

KG Verberg: Gab es denn schon viele Auftritte in der Session oder waren so viele Garden in den Karnevalsgesellschaften vorhanden, dass nur wenige Auftritte zustande kamen?

Willi Hermanns: Eins vorweg, neben der Tanzgarde in Verberg gab es nur eine weitere inkgv_garde_alt_02 Uerdingen. Und auch Veranstaltungen gab es nicht so viele wie heute. Aber eins nach dem anderen. Zunächst waren wir natürlich auf der eigenen Sitzung ein wesentlicher Programmpunkt. Unser erster Auftritt war in der Session 1957/1958 im Saal Auler auf der Moerser Landstr. (heute Haus Verberg). Daneben gab es im Laufe der Jahre weitere Auftritte bei verschiedenen Veranstaltungen. In Erinnerung ist hier eine Karnevalssitzung der Bäckerinnung in der alten Königsburg in Krefeld, während der Fritz Heckens uns einen Auftritt vermittelte. Im benachbarten Düsseldorf durften wir über die Vermittlung der Spielfreunde Uerdingen unser Tanzbein schwingen. Sehr gute Kontakte hatten wir über unseren damaligen Präsidenten Wolfgang Bern nach Uerdingen. Bei der Rathausstürmung (Altweiber) konnten wir uniformiert mit einer besonderen Strickleiter (von Bayer) den Balkon stürmen und waren vor allen im Rathaus, was besonders die Uerdinger heftig wurmte. Insgesamt kamen aber im Laufe einer Session nicht mehr als max. 3 Auftritte zusammen. Hierfür war der Aufwand schon sehr groß. Aber es machte allen Spaß und Freude und das war die Hauptsache.

KG Verberg: Neben dem Saalkarneval gibt es ja auch den Straßenkarneval. Und seit 1961 ja auch einen Kinderkarnevalszug in Verberg. Seid Ihr hier mitgezogen?

Willi Hermanns: Neben unserer Beteiligung am Verberger Kinderkarnevalszug war der Umzug in Uerdingen am Karnevalssonntag bei uns gerne Pflicht. Hier sind wir viele Jahre mitgezogen. Beim Krefelder Rosenmontagszug waren wir max. 2-mal dabei. Allerdings immer nur als Fußgruppe, denn Wagen für Tanzgruppen gab es noch nicht. Karnevalswagen gab es eigentlich nur als Mottowagen, sonst eher weniger. Bei den Zügen gab es auch nur wenig Wurfmaterial. Im Vordergrund standen vielmehr Spaß und Freude beim Umzug durch das Dorf oder durch die Stadt.

KG Verberg: Wie hat sich die Tanzgarde der KG Verberg im Laufe der Jahre entwickelt und was ist aus ihr geworden?

Willi Hermanns: Mit im Wesentlichen der gleichen Besetzung haben wir bis zur Session 1966/1967 zusammen getanzt. Danach waren wir alle so Mitte Dreißig, Nachwuchs fehlte und so passierte es, dass sich die Tanzgarde auflöste. Der KG Verberg sind viele der ehemaligen Tänzerinnen und Tänzer bis heute treu geblieben. So konnten wir vor zwei Jahren bei der Kostümsitzung der KG Verberg noch einmal das Gefühl auf der großen Bühne erleben, als wir neben der aktuellen Großen Garde auf die Bühne gerufen wurden. Für uns alle ein bewegender Moment. Wichtig ist noch zu erwähnen, dass in all den Jahren nie etwas passiert ist und wir immer alle eine Menge Spaß hatten, und das war und ist natürlich die Hauptsache.

KG Verberg: Lieber Willi Hermanns, vielen Dank für dieses Interview und wir wünschen Dir noch viele Jahre Spaß und Frohsinn in der KG Verberg.